Samstag, 14. Mai 2011

Adventskalender für B. D.

    
Heute: The Drawn Blank Series 


Eventstrategisch wohne ich am Arsch der Welt. Selten, dass sich von mir verehrte Künstler in diese Gegend verirren und Leipzig, Dresden oder Chemnitz auf dem Tourneeplan haben. Meist sind zweieinhalb Autostunden zu Berlins Veranstaltungsorten das Mindeste, was es zu kalkulieren gilt.

Umso erstaunlicher die Tatsache, dass die Chemnitzer Kunstsammlungen das OK bekamen, eine Ausstellungen mit Zeichnungen von Bob Dylan zu machen, und zwar als Erste weltweit. Mit malenden Musikern ist das ja so eine Sache. Wie mit schauspielernden auch. Oder mit Schauspielern, die singen. Aber es gibt Ausnahmen und Bob Dylan gehört meines Erachtens dazu.
Kostproben seines Schaffens gab es ja früher schon, man denke an das Cover von „Selfporträt“ (1970) oder an gestaltete Rückseiten („Infidels“ 1983) und Innenhüllen („Empire Burlesque“ 1985).

Warum aber nun Chemnitz den Zuschlag bekam, weiß nur der Cheffe selbst. Die lokale Presse mutmaßte, dass es an dem charmanten Brief gelegen habe, den die Kuratorin, Frau Ingrid Mösslinger, Bob Dylan geschrieben habe. Möglicherweise stimmt das, weil wohl ein ernsthaftes Interesse daraus hervorging an den Bildern, nicht an Dylan selbst.


Ingrid Mössinger & Woman in Red Lion Club (2007)
Das mediale Interesse war enorm. Der Besucherandrang auch. Es gab begleitende Veranstaltungen, Foren usw. usw. Dylan hatte in acht Monaten 322 Aquarelle und Gouachen gemalt, von denen die Chemnitzer 170 Arbeiten auswählen durfen. Die Farbversionen basieren auf Kohle- und Bleistiftskizzen, die Dylan zwischen 1989 und 1992 angefertigt hatte. Diese waren digital auf Büttenpapier übertragen und vom Künstler handcoloriert worden. Oftmals in verschiedenen Varianten. Ich kann nicht genau sagen, warum ich dieser Bilder mag. Es wird verschiedene Ursachen haben. Dass ich Dylans Musik dazu im Kopf habe, ist sicher ein Grund. Aber es ist wohl hauptsächlich das auf den ersten Blick unfertig und ungelenk Wirkende, das beim genaueren Hinsehen eine Schönheit entfaltet. Und wer denkt, so etwas kann doch jeder, der soll es ruhig mal versuchen...

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