Samstag, 29. November 2008

Sauerkraut

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Zum letzten Geburtstag bekam meine Frau von Freunden einen schönen, tönernen Topf mit Deckel geschenkt. Wäre es meiner gewesen, so hätte ich wahrscheinlich das Jahr über saisonales Obst im Rum versenkt. Meine Frau hatte allerdings etwas anderes damit vor... Vor 4,5 Wochen wurde Weißkraut geschnippelt, gestampft und mit Salz eingelegt. Und siehe da, es ist wirklich Sauerkraut draus geworden. Es schmeckt sogar so, wie ich es von früher kenne; als ich als Kind zum Wagner Hans sein Gemischtwarenladen geschickt wurde, für 50 Pfennige welches vom Fass zu holen. Da die MINERS mit Ihren Frauen heute zum Hutzenobnd kommen, haben wir gleich eine schöne Brotzeit. Dazu gibt es Erzgebirgische Bratwürstchen und Schwarzbrot, hmmm... und ein frischherbes Bier...

Sonntag, 23. November 2008

Wenn's draußen wieder schneit,

...
do habn mer onner Freid.
's fängt überol ze wabeln a,
is draußen gute Schneeschuhbah.
On liegt of onnrer Höh
es erschte Fünkle Schnee,
do schnalln mer onnre Schneeschuh na
on fahrn derva!

Denn so frisch on frei,
wie mir Arzgebirger sei,
mir halten aus in Stormgebraus,
öb's wattert, störmt on schneit.
Of onnrer Höh
do liegt der erschte Schnee,
do liegt'r aah an längsten dort,
drüm gieh mer gar net fort!

Anton Günther (1912)

Schwartenbergloipe, 23. November 2008

Donnerstag, 20. November 2008

Meine Höhepunkte

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Das Jahr ist zwar noch nicht zuende gegangen, doch erfahrungsgemäß schlagen im Advent bei mir die Gene meiner Vorfahren voll durch und statt Rock'N'Roll lege ich mir dann erzgebirgische Volksmusik auf. Passt auch besser zu Raachermannl und Peremett.

Deswegen - und weil heute ein hundsmiserables Wetter ist - habe ich mal im Gedächtnis gekramt, was und in welcher Wertigkeit mir dieses Jahr einen Höhepunkt verschaffte.


LP/CD















1.
Into The Wild (Soundtrack) - Eddie Vedder
... und davon ganz besonders: "Hard Sun" und "Guaranteed"
2.
Punk Rock Guilt - Brant Bjork & The Bros
3.
Straight To The Heart - Pierced Arrows
3.
Ready For The Flood - Marc Orlson & Gary Louris
5.
Dirt Don't Hurt - Holly Golightly & The Brokeoffs


Kino












1.
Todeszug nach Yuma (3:10 To Yuma) - James Mangold
... überragend: Christian Bale, Russell Crowe & Ben Foster
2.
Into The Wild - Sean Penn
3.
Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe - Leander Haußmann
4.
I'm Not There - Todd Haynes
5.
Mama Mia - Phyllidia Lloyd (nein, das ist mir nicht peinlich...)


Live












1. Pierced Arrows - Dresden/Beatpol, 01. Mai
... Toody ruft während der Show "Hi Andreas!" von der Bühne ...
2. Brant Bjork & The Bros - Dresden/Groovestation, 16. Oktober
3. Holly Golightly & The Brokeoffs - Dresden/Beatpol, 24. April
4. Michael J. Sheehy & The Hired Mourners - Beverungen/OBS, 10. Mai
5. Mary Epworth & The Jubilee Band - Beverungen/OBS, 11. Mai


Ausstellung
















1. Bob Dylan: The Drawn Blanc Series - Chemnitz/Kunstsammlungen, 20. Januar

Darüber hinaus noch zwei sehr schöne Urlaubsreisen, ein Wochenende und einige Abende mit lieben Freunden, zwei, drei wirklich gute Auftritte mit den MINERS. Wenn man das Jahr so verdichtet anschaut, ja, da kann man sich wirklich glücklich schätzen...

Dienstag, 18. November 2008

Der Rausch und die Musik

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Vor ein paar Tagen las ich hier einen Beitrag, der mich sehr berührt hat und den ich seither nicht so richtig wieder aus dem Kopf kriege. Weil das Thema schon auch mit mir zu tun hat. Ich habe da öfters darüber nachgedacht, ohne jedoch so richtig damit zum Schluss gekommen zu sein oder gar Konsequenzen gezogen zu haben. Es geht um's Trinken.

Wenn man wie ich auf dem Lande aufgewachsen ist, dann hat man auf alle Fälle folgende Ausrede: Es war nichts los. Kulturell gesehen. Und deshalb machte man Freitag- und Samstagnacht das, was alle machten. Man machte einen drauf. Keine Ahnung, was das damalige Gesetz zum Schutz der Kinder und Jugendlichen der DDR vorschrieb, doch es wird sicher Grenzen aufgezeigt haben. Das hat jedoch niemanden interessiert. Die einzigen Grenzen für meinen allwöchentlichen Rausch setzte mir mein Körper. In den passten lange Zeit nicht mehr als sieben halbe Liter Bier rein, pro Abend. Schnaps , das hatte ich relativ früh erkannt, sorgt für nachhaltige Übelkeit und Kopfschmerzen. Also ließ ich weitestgehend die Finger davon (heute bin ich heilfroh, damals nicht ausprobiert zu haben, wie es ist, wenn man sich nur mit einer Sorte Schnaps betrinkt, ohne Bier).

Bands haben zu meiner Zeit und in meiner Gegend kaum gespielt. Es gab fahrende Diskotheker, die mit eigener PA am Wochenende den örtlichen Saal beschallten. Heute hier, morgen dort. Auch musikalisch mit heute kaum zu vergleichen. Die erste zwei Stunden gab's Tanzmusik für die Mädchenpaare und später dann - oft per Wunsch - härtere Kost ala Zeppelin, Purple, Sabbath. Zu diesem Zeitpunkt war ich dann auf jeden Fall schon gut unterwegs und so gehörte es für mich auch immer zusammen: der Rausch und die Musik. Ich konnte mich fallenlassen, bildlich gesprochen, und ich habe genossen, doppelt. Bis zum Schluss. Dann war ich voll. Oft so voll, dass ich auf dem Nachhauseweg gekotzt habe.

Maßvoll trinken, um die Kontrolle zu behalten, wollte ich nicht. Ganz im Gegenteil. Ich wollte diesen Flow, um genau in dem Moment abzuheben, wenn die Sologitarre von Lynyrd Skynyrd's "Freebird" einsetzt. Eine Zäsur setzte makabrerweise der Tod von Bon Scott. Ich weiß noch genau, dass ich damals sagte: so voll kann man gar nicht sein, dass man im Schlaf kotzt, ohne dass man aufwacht. Kurze Zeit später ist mir das gleiche passiert. Und ich danke Gott, dass er mich am Leben gelassen hat. Ab da habe ich etwas weniger getrunken. Statt 7 Gläsern nur noch 6. "I'm Gonna Ride On"...

Und so geht das eigentlich bis heute. Wider besseren Wissens. Auf ein Konzert gehen, mit einem Gedanken, nichts trinken zu können, das mache ich nur in Ausnahmefällen. Wenn's denn gar nicht anders geht. Aber selber spielen, ohne Bier auf der Bühne, das geht gar nicht. Auch für's Besäufnis hinterher finde ich immer einen Grund: Entweder war's ein guter Auftritt, dann muss man wieder runterkommen oder war's ein schlechter, dann will man nur vergessen. Das Resultat ist stets dasselbe. Vergessen habe ich überdies eine Menge in den letzten 25 Jahren und das hängt sicher auch mit dem Alk zusammen. Noch reicht's für den Dayjob, wahrscheinlich genügend Ressourcen, doch irgendwann ist Schluss mit lustig. Das ist mir klar.

An dieser Stelle sollten jetzt Erkenntis und Schlussfolgerungen kommen. Doch so weit bin ich noch lange nicht. Weil es mir noch nicht ernst genug damit ist. Weil ich seit langem schon mit meinem Problem kokettiere, was viel viel leichter ist, als es zu vertuschen. Dumm frisst viel, Intelligenz säuft. Jaja... Weil es - anders als beim Rauchen - bis auf ein wenig Kopfweh keine spürbaren Auswirkungen gibt. Weil mir der Leidensdruck fehlt. Weil ich denke, dass ich noch Zeit habe. Wie ein kleiner, dummer Junge...

Donnerstag, 13. November 2008

What Is And What Should Never Be

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Ten Years After touren unter ihrem Namen seit Jahren ohne Alvin Lee. Thin Lizzy versuchen ohne Idol Phil Lynott Kohle zu machen. Lynyrd Skynyrd verlieren tragischerweise ein Originalmitglied nach dem anderen und tun immer noch so, als wäre 1974. Von den vielen Sweet-, Slade- und T.Rex-Clones mal ganz zu schweigen. Nachahmer, wohin man sieht. Eine Schande eigentlich, doch für manch Spätgeborenen die einzigste Chance, einen Hauch jenen Gefühls zu bekommen, das die Originale auf dem Gipfel ihres Erfolgs verbreiteten. Einen Hauch wohlgemerkt.

Da die Chancen für eine 3/4 Led Zeppelin Reunion momentan nicht die besten sind, habe auch ich mich verführen lassen. LEZ ZEPPELIN heißt eine sehr junge Band aus NYC, die sich fast ausschließlich der Liedpflege der größten Band aller Zeiten verschrieben hat. All Girls - All Zeppelin. Jene hatte ich mit 30 Jahren Verspätung gerade zu entdecken begonnen und so freute es mich, dass die Tribute-Show in Dresden zu erleben war.

Punkt 8 begannen die Bühnenscheinwerfer im Dresdner Schlachthof zu rotieren und durch den Leslie gejagte dunkle Keyboardpassagen verhießen nichts Gutes. Vier sehr junge Frauen betraten die Bühne. Keine Worte, keine Gesten, Plugged In & Rocked On: Immigrant Song. Was hätte großartig werden sollen, verpuffte leider ob des grottenschlechten Sounds im Saale. Die Gitarre war anfangs kaum zu hören und der Gesang wehte ebenfalls dünn vorbei. Erst dachten Ralf und ich, dass wir zu dicht vor der Bühne stehen. Doch im Reihe 10 war es auch nicht wirklich besser. So verging denn die erste halbe Stunde für mich zumindest mit Rumärgern. Besser wurde es mit dem ersten Höhepunkt: Since I've Been Loving You. Da wurde der Gitarre doch auf einmal mehr Raum gegeben (oder nahm sie's sich?). Jedenfalls in meinen Ohren klang's besser. Richtig gut wurde es dann mit dem Accoustic Set. Eingeleitet von dem Instrumental Winter Sun, dem einzigsten Lez Zep Original des Abends, spielten die Mädels zwei Nummern rein akustisch. Die Drummerin, Helen Destroy (!), ging derweil im Saal spazieren. Vielleicht aber auch nur, um dem Mixer in den Arsch zu treten. Rechtzeitig zum Bron-Y-Our Stomp war sie zurück, um dies mit uns allen zu tun. Diese Frau hat einen Tritt und Schlag - Wahnsinn. Und Präzision, unglaublich. Da fehlte es an nichts. Rein spielerisch waren alle vier über jeden Zweifel erhaben. Das sollte man/frau auch sein, wenn man sich an Songs wie Black Dog versucht. Allenfalls etwas mehr Rauheit in der Stimme von Sängerin Sarah hätte ich mir gewünscht. Doch wo sollte die herkommen - in diesem zarten Alter.

Nach ziemlich genau 90 min und einer voluminösen Kashmir-Version war Schluss. Doch nur kurz, denn Rock&Roll und Whole Lotta Love fehlten noch im Set. Diese beiden Songs waren es dann auch, mit denen die Zugabe bestritten wurde. Tschüss und Danke. Da war wohl auch nicht wirklich viel Lust mehr übrig, für den halb gefüllten Saal. Kann ich verstehen. We come back in a few minutes for selling T-Shirts and CD's. Nun ja. Schön war's trotzdem. Die Gänsehaut aber, die ich ab und zu kriege, wenn Musiker auf der Bühne sehe, die beinahe sterben für ihre Kunst, die blieb diesmal aus...

Montag, 10. November 2008

November kann auch schön sein












zum Beispiel morgens gegen sieben...

Montag, 3. November 2008

Rockin' the Garage

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Eigentlich hatten wir nach dem letzten Open-Air-Auftritt bei 6°C an unser Konzertjahr schon einen Haken dran gemacht und die Gitarren waren bereits eingemottet, als uns letzte Woche eine Anfrage erreichte, zu Halloween in der Chemnitzer Garage zu spielen. Vor überwiegend motorradfahrendem, mittelaltem Publikum. Da konnten wir schwer nein sagen. Es ist für uns immer eine schöne Herausforderung, so eine Truppe zu versuchen, dranzukriegen. Musikgebildet größtenteils und wegen hohem Coolnessfaktor schwer aus der Reserve zu locken. Mit den Cowboystiefeln im Takt wippen will da schon viel heißen. Das letzte Mal waren wir vor 4 Jahren dort und wir waren sehr gespannt, wie es heuer werden würde. Um es vorweg zu nehmen, es war toll. Wir hatten von Beginn an ein schönes Halbrund vor uns stehen, männliche wie weibliche (mehr!) Zuhörer, denen es durchaus zu gefallen schien, was wir von uns gaben. Und es dauerte gar nicht lang, da trauten sich sogar ein paar, zu tanzen. Dabei waren es vorwiegend die MINERS-Songs, die in die Beine gingen. Das hat uns natürlich sehr gefreut, und umsomehr haben wir uns angestrengt. Nach 90 überwiegend schnell gespielten Minuten gingen unsere Grubenlampen aus. Das ist aus meiner Erfahrung so in etwa die Distanz, ab der ein Konzert spätestens anfängt, Längen zu kriegen. Selbst bei Künstlern, wo ich bedingungsloser Fan bin. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt sichtlich zufrieden und wir waren es auch. Wir ließen uns noch ein paar Biere schmecken, während der Torsten uns die Mp3-Files um die Ohren haute. Mich entsetzt das ja immer etwas, wie heute "Disko" gemacht wird. Aber so ist das nun mal und wir werden es nicht mehr ändern. Schön aber, dass es noch Läden wie diesen gibt, in der hin und wieder Livemusik angeboten wird. Weiter so. Bilder in Kürze.