Montag, 28. Mai 2007

Post OBS 11 Depression

Eigentlich weiß ich ja inzwischen wie das ist, aber das macht die Sache auch nicht leichter. Mit jedem Kilometer, den wir uns am Pfingstmontag von Beverungen entfernen, wird mir das Herz schwerer. Wir haben wieder zweieinhalb wunderschöne Tage verlebt, viele viele Biere getrunken und eine ganze Reihe phantastischer Bands erlebt. Nicht ganz so viele Highlights für mich dieses Jahr dabei, aber trotzdem noch reichlich davon: Rachelle Van Zanten und Michael J. Sheehy heißen meine persönlichen Neuentdeckungen. Woven Hand habe ich zum wiederholten Mal aus nächster Nähe sehen können und sie haben mich weggeblasen wie beim allerersten Mal. Und Olli Schulz hat mich beeindruckt, hätt' ich vorher nicht geglaubt. Nicht nur ein Wörgelmonster der Typ...
Was sich bei mir ebenso sicher einstellt wie die Wehmut über das zu Ende gegangene Festival, ist eine gewisse Enttäuschung beim ersten Abhören der mitgebrachten Tonträger. Wahrscheinlich müsste man einfach nur ein paar Tage damit warten. Weil die Erwartungen so unmittelbar nach dem Liveerlebnis einfach viel zu hoch sind. Das kann kaum eine Studioplatte bringen. Ausnahmen gibts natürlich auch...
Nun heißt es also wieder für 11,5 Monate mit dem nicht gerade üppigen Konzertangebot der sächsischen Provinz Vorlieb nehmen. Oder aber selber was machen. Und mit diesem Gedanken geht's mir schon ein klein wenig besser...

Freitag, 18. Mai 2007

Portland Finally

O.K. nun ist es amtlich: Toody und Fred Cole haben eine neue Band "Pierced Arrows".Der allererste Gig findet heute abend in Portland statt.
Und Andrew trommelt fortan hier.
Aha... dann wurde der deal also doch schon während der letzten Europatournee ausgehandelt, auf der Greg Shidoan (The Shiny Things) das Merch von Dead Moon verkaufte... Egal - die Hauptsache ist doch, dass es weiter geht...

Mittwoch, 16. Mai 2007

Portland 2

Seit ich beim vorletzten OBS-Festival RICHMOND FONTAINE gesehen habe, lässt mich auch diese Band nicht wieder los. Leider sind sie viel zu selten im Osten der Republik unterwegs. Am letzten Wochenende betrug die Entfernung zum nächstgelegenen Konzertort der aktuellen Tour "Thirteen Cities" nur 200 km. Da mussten wir hin...
Objekt 5 in Halle ist ein sehr schöner Veranstaltungsort für diese ganzen Roots-, Singer-/Songwriter und Americana-Geschichten. Die Plakate an den Wänden bezeugen, dass auch genau diese Schiene wohl am häufigsten bedient wird. Schön, dass es so etwas auch in der Provinz gibt. Schade, dass für uns so weit weg...
Als wir gegen 10 Uhr eintrudeln, schlendert Dave, der RF-Bassist draußen herum und ich frage mich und ihn, ob er sich wohl an das OBS vor 2 Jahren erinnert; wir hatten da ein kurzes Gespräch über Dead Moon. Irgendetwas dämmert ihm, aber nicht so richtig, kein Wunder, wenn man sich den Tourkalender anschaut...
Drinnen haben gerade Bob Frank und John Murry die Gitarren geschultert und geben uns einen Mix aus irisch angehauchten Folkrocksongs (Frank) und geknödelten Ansagen, aber schöner Singstimme (Murry): "...This Story happened in 1927. My aunt told me..." Sie spielen wohl so eine Stunde und hätten auch gerne noch länger, doch Richmonds Drummer bittet höflich um einen letzten Song. Vorher gibt es noch den Verweis auf die Frank/Murry-CD, mit der einmaligen 30-Jahre-Rückgabe-Garantie bei Nichtgefallen...
Was ich im Vorfeld zur aktuellen Richmond-Fontaine-CD schon gehört hatte: Paul Brainard is back, mit seiner Pedal-Steel! Das passt sehr gut zu den meisten Songs des Abends. Außerdem spielt er auch noch Trompete und da gibt es ja den einen oder anderen Song auf dem neuen Album. Hin und wieder wird es auch etwas rockig, z.B. beim "Always On The Ride". Überwiegend aber doch eher die ruhigen Sachen a la "The Fitzgerald". Bis zum Schluss. Ja, der Schluss... Man ist offenbar etwas unentschlossen, ob dem Ruf "One more song!" aus nur einer Kehle zu folgen ist. Dann aber doch. Willy, der Sänger tritt ans Mikrofon: "This song is for Andreas. Where are you, Andreas?" Ich kann gerade noch rufen "Play it not for me, play it for Dead Moon!". Da dreht er sich zu mir, reisst sich das Cowboyhemd auf und zeigt sein Dead-Moon-T-Shirt und spielt "A Song For Dead Moon"! Unglaublich, Mann! Ich freue mich riesig über diesen Song, den Willy schrieb, nachdem er Fred Cole das erste Mal auf der Bühne sah. Und ich freue mich noch mehr, zu sehen, wie die Band rockt! Sie haben sichtlich ungeheuren Spaß dabei. Ich weiß nicht, wie's die restlichen 40 Leute im Saal aufnehmen, aber für mich passt das schon zusammen, die fragilen Songs mit den kraftvollen. Danach ist Schluss und die Band hat es eilig, am nächsten Tag wird ein Festival in Holland bespielt. Kurzer Talk mit Willy und Dave, nein, es wird im Herbst wahrscheinlich keine Deutschland-Dates von RF geben. Aber dass Toody und Fred Cole wieder in die Puschen kommen wollen, habe man auch schon gehört. Danke fürs Kommen - danke fürs Spielen. Ich für meinen Teil habe die Batterien wieder randvoll. Auf dem Heimweg hören wir David Eugene Edwards. Den sehen wir bald in Beverungen. So Gott will...

Portland 1

Ein Brief, abgeschickt am 13. Februar 2007 in Portland und unterschrieben mit Fred und Toody und sinngemäß folgendem Inhalt:
...Fred und ich haben gerade eine erholsame Zeit hinter uns. Momentan planen wir, in ein paar Monaten eine neue Band zu starten. Fred hat einige neue Songs geschrieben und will eine 7inch rausbringen, wahrscheinlich diesen Sommer, nun, die Zeit wirds zeigen...
Auf der Homepage bleibt es diesbezüglich still und so war ich unsicher, ob das hier zu posten, richtig ist. Doch Dead Moon Fans wirds freuen und allen anderen ist es sowieso egal. Und außerdem ist das hier nicht das Rolling-Stone-Forum...

Freitag, 19. Januar 2007

Das glaubt mir sowieso keiner

C.D. ist ein freischaffender, ostdeutscher Autor, den ich irgendwann in den achtziger Jahre für mich entdeckt habe und der mich seither begleitet hat. In Zeitungsreportagen und Büchern. Ich mag ihn sehr, weil er die Gabe hat, Geschichte lebendig werden zu lassen. Ich finde mich darin wieder, unmittelbar oder in den Assoziationen, die beim Lesen geweckt werden. Wäre ich selbst Schriftsteller, dann würd’ ich meine Erlebnisse und Gefühle gerne für mich auf diese Art konservieren, aber so bin ich froh, dass es ihn gibt.
Den Wunsch, dem Autor die Bewunderung des Lesers mitzuteilen, trage ich schon eine Weile mit mir herum. Allerdings will man sich ja nicht blamieren und so fehlte mir immer noch das letzte Quentchen Mut, den Brief zu schreiben. Auslöser war letztendlich das Wiederlesen eines seiner Bücher im Herbst letzten Jahres. Die Episode mündete in dem Satz „Fremdes Tempo geleitet an kein eigenes Ziel“ und das hatte ich auch schon oft so erlebt, allerdings ohne das in treffende Worte packen zu können. Manchmal braucht das Leben Leitsätze. Jedenfalls war damit der Anfang des Briefes geschrieben. Es sollte aber auch Musik eine Rolle spielen, deren enthusiastische Schilderung ich an C.D.’s Werk anfangs besonders schätzte. Da gab es im selben Buch eine Passage, in der C.D. – für meine Begriffe resigniert und lakonisch – den Niedergang der Rockmusik beschrieb. Es ging um Klaus Renft. Das tat mir leid. Nicht um Renft willen, sondern wegen der Müdigkeit oder Traurigkeit C.D.’s, die ich herauszulesen glaubt. Das war am 8. Oktober 2006.
Ich schrieb also den Brief zu Ende und empfahl C.D. den Besuch eines DEAD-MOON-Konzerts, die gerade auch durch Deutschland tourten. Dort würde er erfahren, dass Rock nicht tot ist. Oder so ähnlich jedenfalls. Fertig geschrieben und versendet.
Am 9. Oktober, einen Tag, nachdem ich DEAD MOON in Dresden sah, hörte ich, dass Klaus Renft gestorben war. Ich hätte den Brief gerne etwas umgeschrieben, doch er war längst unterwegs nach Berlin.
Das Wochenende darauf war ich selber in Berlin. RYAN ADAMS gastierte im Kesselhaus. Meinen Brief, Klaus Renft und auch DEAD MOON hatte ich in Erwartung des kommenden Konzertes völlig vergessen, als sich die Menge vor mir teilte und C.D. zielsicher auf mich zusteuerte. Mein Herz begann zu klopfen und die Gedanken kreiselten. Sein Gesicht kenne ich natürlich aus Lesungen und von Bildern, aber ich bin ihm völlig unbekannt. Ich konnte mir einfach keinen Reim drauf machen! Als er kurz vor mir angekommen war, ging ich vorsichtshalber einen Schritt zur Seite. Da bedankte er sich höflich und ging nach hinten weiter, um sich ein Bier zu holen. Ich hab’ ihn dann noch eine Weile stehen sehen und konnte mich gar nicht richtig auf das Konzert konzentrieren (der Enthusiasmus C.’s hielt sich in Grenzen).
Warum ich das heute schreibe? Weil ein Brief aus Berlin gekommen ist, von C.D. Ein ziemlich ausführlicher. Ich habe mich sehr gefreut, doch manches, was er schrieb, machte mich traurig. Bei Renft haben wir uns beide missverstanden, glaube ich. Da kam auch noch der Tod dazwischen, der Reflexion verändert. Und DEAD MOON war C.D. leider kein Begriff. Das fand ich besonders schade, weil es die Möglichkeit des "richtigen" Kennenlernens inzwischen auch nicht mehr gibt.
Das Leben ist so voller Zufälle, manche sind einfach nur irrwitzig, andere führen zu Missverständnissen, und wieder andere lenken unser Leben in Richtungen, die wir so nicht beabsichtigt hatten. Am Ende wird alles gut, da bin ich mir sicher.