Montag, 8. September 2014

Everybody's home, now - The Sound of Bronkow Music Festival 2014

 

Bereits zum fünften Mal veranstaltete das Label K&F Records in Dresden zum Sommerausklang ein Festival mit den Schwerpunkten Indiepop und Liedermacher; besser sollte man sagen, mit handverlesener feiner Musik verschiedener Genres. Die dreitägige Veranstaltung ist wohl immer noch ein Geheimtipp, denn es gab Anfang August noch Restkarten zu kaufen. Glück für mich, denn über die Urlaubszeit war mir die Sache etwas aus dem Blickfeld geraten. Vergleicht man nämlich mal Künsteraufgebot, Veranstaltungsort und das ganze Drumherum mit dem anderer Festivals derselben Kategorie, so müsste das SOB eigentlich binnen 2 Stunden ausverkauft sein. Vor allem bei diesen Ticketpreisen..

Am Freitag standen "Talking To Turtles", "The Marble Man" und "Die Höchste Eisenbahn" auf meiner Liste. Erste waren dann für mich schon die vorweggenommene Krönung des Abends. Das sympatische Duo aus Leipzig bezauberte mit wunderschönen Melodien, klarem zweistimmigem Gesang in harmonischen Arrangements. Das höre ich mir gerne noch ein zweites Mal an. "The Marble Man" aus München spielten als nächste Band im Foyer und dort war der Sound raumbedingt etwas diffuser als oben im Saal. Aber die gute Musik setzte sich durch, wenngleich nicht so ganz auf meiner Wellenlänge. Ich bin schließlich aber nicht die Zielgruppe. "Die Höchste Eisenbahn" sah ich zum zweiten Mal in diesem Jahr. Dieselben Songs, klar, aber ich entdecke in den Texten immer noch wieder Neues, Hintersinniges oder freue mich immer noch über die perfekten Popsongs. Kein Verschleiß bislang. Die Band hingegen wirkte auf mich etwas müde vom durchspielten Festivalsommer. Aber nur ein kleines bisschen. Ich bin gespannt, wie's da weitergeht... 

Beim SOB ging's am Samstag um 2 Uhr Mittags weiter. Als Dresdner geht das, ich konnte leider erst wieder 18.00 Uhr dazustoßen, als "Aloa Input" im Saal auf die Bühne gingen. Ein Trio aus München, das verschiedene Stile munter miteinander mixte. Früher hätte man vielleicht Krautrock dazu gesagt, aber das trifft es auch nicht ganz. Bei manchen (ruhigeren) Passagen kam mir "Sparklehorse" in den Sinn. Melodiös, tanzbar und abwechslungsreich - mir hat's jedenfalls gefallen...

Im Garten konnte sich hernach der Kreislauf wieder etwas erholen bei den sanft fließenden Songs von "Heated Land" mit der beruhigenden Stimme von Sänger Andreas Mayrock. Passte sehr gut zu Zeit und Ort. Entspannter war am Samstag nur noch die Stimme des Sängers von "The Slow Show" aus Manchester. Da werden als Vergleich sicher oft "The National" herangezogen, stimmt ja auch irgendwie. Ist mir aber egal. Echt isses, wenn's von Herzen kommt und das kann man hören. Für mich war die Darbietung des letzten Songs "Everybody's home, now" ein sehr rührender Schlusspunkt. Deswegen habe ich mich anschließend schon auf den Heimweg gemacht...

Am Sonntagnachmittag habe ich mir dann zur Abwechslung die Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesehen. Auch das war mit dem Festivalticket kostenlos möglich - Wahnsinn, oder? Beim Betrachten der knallbunten Acrylbilder von Gerhard Richter wusste ich noch nicht, dass mich anschließend musikalisch Ähnliches erwarten würde. Ein gut gelaunter Tausendsassa sprang auf der Bühne hin und her, bediente unablässig drei Dutzend Bodenpedale und schüttelte nebenher noch einen Stauß beatlesker Melodien aus dem Ärmel, war aber gleichzeitig bemüht, nicht allzu viel Harmonie zuzulassen. Also schnell den nächsten Noise-Button gedrückt! So oder so ähnlich. Von hohem Showwert auf jeden Fall, aber kein reiner Klamauk. "Vin blanc / White wine" - ein Konzertbesuch lohnt sich! Im Garten wurde dass Publikum anschließend noch vom "Dresdner Gnadenchor" geläutert und konnte sich so schon mal auf das Hochamt in der Schlosskapelle vorbereiten...

Als die SOB-Macher vor Monaten im Internet verkündeten, dass "The Felice Brothers" headlinen würden, da hatte ich so meine Zweifel, ob's denn am Ende wirklich dazu kommt. Wie gesagt, bei diesem Ticketpreis, den bereits genannten Bands und der anderen, genauso guten Hälfte, die ich verpasst habe. Aber nach einem stimmigen Vorprogramm von Thos Henley gingen sie dann doch tatsächlich auf die Bühne, zwei der Brüder und drei Freunde dazu. Ich hatte mich sehr auf diesen Abend gefreut, wahrscheinlich zu sehr. Dann müssen Erwartungen enttäuscht werden. Mir war es deutlich zu laut für diese Art Musik und ich hatte meine Probleme mit der Hälfte des Repertoires. Immer genau dann, wenn gleichzeitig gefiedelt und gequetscht wurde. Wobei ich beides für sich sehr mag. Aber eben nicht so sehr die Marke Kasatschok. Doch wenn Ian und James zu reduzierter Instrumentierung ihre Balladen vortrugen, ging mir das Herz auf. Das war's allemal wert. Wie eigentlich alles an diesem Wochenende, ohne Ausnahme. Danke!

Aloa Input
Vin Blanc / White Wine
Dresdner Gnadenchor
James and Ian Felice
Everybody's home, now ...









Sonntag, 16. Februar 2014

Out Of Time

  
Als wir den gestrigen Auftrittsort von "Wind Sand und Sterne" - ein Gartenspartenvereinslokal - betraten, fühlte ich mich kurzzeitig in die frühen achtziger Jahre zurückversetzt. Nur dass die Leute an den Tischen dreißig Jahre älter waren. Doch das sind wir ja inzwischen auch. Aber wir freuten uns, die Band quasi mal um die Ecke sehen zu können und sind dankbar für jeden Veranstalter, der das Risiko, Livemusik zu machen, auf sich nimmt.  Auch wenn die Szenerie hier in der ersten Runde noch etwas bieder wirkte - zu vorgerückter Stunde tobte die Hütte. Spätestens als der Stef seinen Hochsitz verließ und eine inkommensurable Version von "Paint it black" hinlegte. Ganz großes Kino!


"Baby, baby, baby - you're out of time" - Ja, ich weiß, na und?
  

Sonntag, 29. Dezember 2013

Alle Jahre wieder ...


... "Wind Sand & Sterne" kurz nach Weihnachten in der Marienberger Baldauf-Villa.


Dienstag, 5. November 2013

Lisa Germano - 04.11.2013 (Dresden/Beatpol)

  
Vor einem halben Jahr hatte ich mir eine Karte für das Konzert von The National in Berlin gekauft, in der Annahme, ich habe dieses Jahr bereits genügend Querschläger erlebt und es werde schon klappen. Aber dann kam mir kurz vor Ultimo doch noch ein Gipsarm dazwischen. Es hat halt nicht sollen sein. Der Sohn hat sich gerne erbarmt und ist an meiner Statt gestern nach Berlin gereist. Aber wenn eine Türe zuschlägt, geht oft eine andere auf. Meine Alternative kam in Form einer Einladung zum Konzert von LISA GERMANO im Dresdner Beatpol incl. Transfer ab/an Haustür. Das habe ich zu gerne angenommen und es war auch alles andere als ein Notnagel...

Die Tanzfläche im Beatpol war diesmal locker mit Tischchen und Stühlen bestückt, was sich auch in Anbetracht der nicht ganz so zahlreich erschienenen Gäste (Montagabend) als sehr gute Entscheidung erwies. An die fünfzig Leute mögen es vielleicht gewesen sein, aber die waren dadurch gut verteilt und niemand kam sich verlassen vor. Auf der Bühne ein E-Piano und ein Stuhl. Weniger ist mehr, ja, aber ob man damit einen ganzen Abend bestreiten kann? Lisa Germano konnte, und wie! Sie atmete ihre Songs regelrecht ein und aus und wob dabei die Melodien auf dem Piano so kunstvoll ineinander, dass sich das Publikum den ersten Beifall traute, als Frau Germano nach einer Viertelstunde das erste Mal zur Wasserflasche griff. Oh ja, sie liebe das Touren in Europa, das Publikum sei so aufmerksam, höre immer zu, besonders hier im Beatpol, sie wisse das auch von ihren Kollegen Giant Sand und Calexico, die ja schon hier gespielt hätten. Das war sicher nicht als Anbiedern beim Publikum zu verstehen, denn während ihrer Performance war sie ganz bei sich. Die Zeit verging so wie im Flug und bei der letzten Zugabe bedankte sie sich dafür, dass sie doch bei dieser Gelegenheit gerade ein verlorenes Lied wiedergefunden habe. Wir glaubten ihr das gerne und fuhren neu beseelt nach Hause...

Das Licht im Beatpol war dem Vortrag Lisa Germanos durchaus angemessen, für meine Kamera reichte es leider nicht aus, weswegen ich mich hier mal fremdbedienen musste...


 

Montag, 4. November 2013

Treffer / Incomplete Sons - 02.11.2013

  
Zu wechselnden Terminen doch mit bemerkenswerter Kontinuität veranstaltet der Breiti nun schon seit eigen Jahren seine Hoffeten. Gute Musik läuft ja rund um die Uhr in der Helbigsdorfer Autoscheune, aber einmal im Jahr werden dort, wo sonst Räder ausgewuchtet werden, Lautsprecherboxen hochgewuchtet und es wird live aufgespielt. Die MINERS waren in all den Jahren immer dabei gewesen, diesmal nun halt nicht. 

Auf dem Weg zum Ort des Geschehens hörten wir schon von weitem etwas, was sich verdächtig nach "Black September" anhörte, gefolgt von "Gimme Shelter". Ich dachte schon, der Breiti habe zum Aufwärmen eine alte MINERS-Konserve aufgemacht, aber nein, es war die erste Band des Abends, die sich diese beiden Preziosen zu eigen gemacht hatte. THE INCOMPLETE SONS, die Band, in der zwei Söhne der MINERS gemeinsam mit einer blutjungen Schlagzeugerin musizieren, hatten vor einem Jahr zum Zehnjährigen der MINERS schon mit uns auf der Bühne gestanden. Und was sich da in den letzten zwölf Monaten getan hatte, hörte sich gut an. Eine gesunde Mischung aus eigenen Nummern und ausgewählten Covers wie den eingangs erwähnten Stücken und "Hey Joe". Chapeau! Danach wird man lange suchen können in der U20-Liga. Eröffnet hatten die SONS übrigens mit dem "From Down Below", der ersten MINERS-Single. Das hätte ich gerne mal gehört. Vielleicht beim nächsten Mal...


Danach schickten sich TREFFER aus Leipzig an, dem Helbigsdorfer Publikum den Arsch zu versohlen. Musikalisch gesehen. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, denn ich mag diese Mischung aus geradem, schnellem Rock'n'Roll und kernigen Texten. Hoffi schreibt kleine -zutreffende- Alltagsgeschichten; sein Vortrag und die Kommunikation mit dem Publikum sind so authentisch, dass man ihm aufs Wort glaubt. "Tiefster Punkt", "Brandung", das sind doch schon Liedtitel, auf die man neidisch werden könnte...


Die Jungs waren ja anfänglich etwas skeptisch ob des Publikumsanteils jenseits der Fünfzig, doch das war kein Thema. Auch die älteren Semester ließen sich von der Spielfreude des Dreiers mitreißen. Nur so schnell tanzen, nein, das ging dann doch nicht. Aber das tat der Show keinen Abbruch, mitsingen war genau so schön...


Der guten Stunde mit eigenen Songs folgten noch einige passende Coverversionen, unter anderem von der ehemals schnellsten (oder lautesten?) Hardrockband der Welt. Und wenn wir die Augen zusammenkniffen (oder die entsprechende Landung schon weghatten), da konnten wir fast den Lemmy auf der Bühne sehen... ;-)


Insgesamt ein runder Abend. Ich denke mal, das geht beim Breiti im nächsten Jahr so weiter...