Sonntag, 26. Oktober 2008

Halb und halb

Halbzufrieden mit dem ersten Halbmarathon meines halb verlebten Lebens liege ich halb lädiert auf dem Kanapee und wärme mir die Glieder. Nicht länger als 2 Stunden dafür zu brauchen hatte ich mir vorgenommen. Das hat zwar geklappt, doch es hätten gerne noch ein paar Minuten weniger sein können. Wie das so ist mit'm Ergeiz...
Eigentlich ist ja Laufen gegen die Uhr seit Kindertagen für mich absolut negativ belegt. Ich kann mich an einen Crosslauf erinnern, über 3.000 m, da habe ich, obwohl drittletzter, dem Sportlehrer hinterher das Badezimmer vollgekotzt. Insofern wundert es mich schon, dass ich nun im Mittelalter sogar so etwas wie Freude beim Laufen spüren kann. Hin und wieder. Aber jetzt brauch' ich erst mal 'ne Pause...

1:56:22, Platz 65 von 76 in AK M40, Platz 274 von 365 total

Samstag, 25. Oktober 2008

Peter "Cäsar" Gläser (1949 - 2008)


wenn ich weiß daß man mich braucht
und kann meine kraft erschöpfen
und verschenken alle meine
blumen augenblicklich
wenn ich was mein lied gesät
aufgehn seh in fremden köpfen
und find lachen und find weinen
nämlich bin ich glücklich

("nämlich bin ich glücklich" von "Das einzige Leben" AMIGA 1980, Text: Kurt Demmler, Musik: Peter Gläser)

Dienstag, 21. Oktober 2008

Nachlese

Nach so viel verbreiteter Vorfreude nach allen Seiten wollte ich eigentlich ein schönes Review schreiben zu Brant Bjork & The Bros. Doch wenn man sprachlos ist angesichts dieser Wucht von Musik, vorgetragen von einem Sinnbild an Bescheidenheit, dann kann eine Beschreibung nur in die Hose gehen. Leider habe auch kein passendes Video gefunden, was meinen Eindruck in etwa widerspiegelt. Bei den meisten Aufnahmen dürfte sich die Membran des Mikrofons umgestülpt haben. Nicht dass laut automatisch gut wäre, doch im Falle BBB geht das in Ordnung. Da ist die Musik zugleich eine körperliche Erfahrung. Morgen kommen endlich die bestellten Langspielplatten. Nachbarn, wehe euch!

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Der Anfang vom Ende

Grauer Tag mit Nieselregen. Die Stare sammeln sich in den kahler werdenden Wipfeln. Der Moment des Aufbruchs ist gewaltig. Und lässt mich ziemlich einsam zurück.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Kleines Kino, Große Gefühle

Eine Erinnerung der besseren Art an mein Leben vor '89 ist die an Kinobesuche. Unser Dorf hatte damals Einwohner genug, um an drei bis vier Tagen die Woche ein kleines Kino zu füllen. Gegeben wurde neben leicht oder mittelprächtig angestaubten Filmen des Klassenfeindes auch alles, was die einheimische DEFA so auf den Markt geworfen hat und das war nicht wenig. Natürlich gab's da auch viel Schund, wie überall, doch die eine oder andere Perle fand sich schon darunter. "Und nächstes Jahr am Balaton" habe ich damals bestimmt vier, fünf Mal gesehen und dieser Film erzeugte stets eine große Sehnsucht in mir, nach Liebe, nach Veränderung, nach wasauchimmer. Und Ulrich Mühe lebt in meiner Erinnerung hauptsächlich als Hölderlin aus "Hälfte des Lebens". Ich fand mich oder mein Leben in diesen Filmen wieder, in der Art des Erzählens, in der Zerissenheit und im Scheitern der Figuren, ohne dass ich hätte sagen können, ich bin wie der oder der. Es war der Film als Gesamtes. Der mir ein vertrautes Gefühl gab und aus dem ich bei aller Tragik und Widrigkeit der Umstände Kraft schöpfen konnte.

Dann kam 1989, 1990, 1991 und ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich in dieser Zeit überhaupt einmal im Kino gewesen bin. Doch an 1x erinnere ich mich: Disney's "Robin Hood" mit unserem damals vierjährigem Sohn.

Seit ein paar Jahren habe ich ihn nun wieder für mich entdeckt, den DEFA-Film. Natürlich heißt er heute anders, z.B. Boje Buck Produktion. Doch die Zutaten sind dieselben. Jedenfalls fühlt sich das Ergebnis für mich genau so an wie damals. Was ich jetzt unbedingt positiv meine. Helden, die eigentlich keine sind oder jedenfalls nicht im klassischen Sinne und Geschichten, wie die das Leben schreibt. Andreas Dresen, Detlev Buck oder Leander Haußmann, die Regisseure, sind ungefähr so alt wie ich selber und wahrscheinlich ist das der springende Punkt. Ich habe aber gar keine große Lust, das auseinander zu klamüsern. Ich möchte das für mich so lassen, wie es ist: Einen Film anschauen, traurig sein und Tränen lachen und mich am Ende ganz wohlig fühlen damit. So geschehen kürzlich bei "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe". Zahlende Zuschauer: meine Frau und ich.