Montag, 11. Juni 2018

Raut Oak Fest 2018

  

Als Andrew Loomis vor 2 Jahren starb, nahm die Musikwelt kaum Notiz davon, auch nicht die einschlägige. Garage Rock war immer eine Nische und selbst wenn größere Namen sich auf DEAD MOON berufen, who cares. Ich war damals darüber ziemlich traurig, aber eine der wenigen Kerzen wurde hier angezündet und das brachte mich dann dazu, Gerhard Emmers Blog zu abonnieren. So werde ich seither profund auf allerlei Musikalisches weitab vom Mainstream aufmerksam gemacht, das meiste davon hatte ich vorher noch nie gehört (und vergesse es auch meist gleich wieder ;-)). Was mir aber hängen geblieben ist, ist die Leidenschaft G.E.'s für das Echte, das Unverfälschte, für aus Bauch heraus direkt ins Herz gespielte Musik. Und eine besonders dicke Lanze brach er letztes Jahr für das Raut Oak Fest, ein Festival für Raw Underground Music mit dem Schwerpunkt Blues. Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder nach einer Alternative für meinen Pfingsttrip Ausschau gehalten, da mir das OBS, zu dem wir seit 17 Jahren gefahren sind, inzwischen zu groß und zu beliebig geworden ist. Und alles was ich zum ROF las, klang genau wie das, wonach ich gesucht hatte! Also rechtzeitig Karten bestellt und voller Vorfreude am Freitagnachmittag die 500 km nach Süden gefahren...

Als wir in Riegsee ankamen, was das Gewitter gerade vorbei - der Zeltnachbar sprach von alttestamentarischen Zuständen - und wir kamen noch in den Genuss des dadurch verschobenen Zeitplans. Schon diese ersten vier Acts ließen ahnen; das wird großartig werden. Aber es war nicht nur die Musikauswahl, die uns echt begeisterte. Es ist auch dieser grandiose Ort auf dem Berg, die Eiche, der Blick in die Berge, die freundliche Crew an Einlass und Verpflegung, gutes Essen und Trinken zu äußerst zivilen Preisen, hervorragender Sound, ein entspanntes Publikum, ein Zeltplatz der groß genug ist, ausreichend Toiletten, die auch am Sonntag noch benutzbar waren. Mir fällt nichts ein, was es zu meckern gäbe. Ein sehr klarer Badesee ist nur 1,5 km entfernt, so haben wir auch die Duschen nicht vermisst. Ein echtes Highlight (und das meine ich ernst!) war das Sunday Special: Weißwurstfrühstück mit Hefeweizen vom Fass und Riegseer Hoamatmusi! Schön! Danach mussten wir leider schon packen, doch bevor wir uns auf die Rückreise machten, ließen wir uns von der Donkeyhonk Company noch einmal richtig einheizen. Das Bändchen bleibt die nächsten 12 Monate dran, es erinnert mich im Hamsterrad daran, es gibt ein Leben vor dem Tod...

Eine Nachlese zu den einzelnen Konzerten mit Fotos gibt es bestimmt demnächst beim Gerhard :-)

Sonntag, 6. August 2017

Conor Oberst & Felice Brothers @ beatpol Dresden


Im Rahmen der Europatournee zur Promotion seiner aktuellen Platte "Salutations" machten Conor Oberst "and his Band" gestern in Dresden Station. Obwohl das letzte, musikalisch außerordentlich reichhaltige, Wochenende noch stark nachschwingt in mir, konnte ich mir so eine Gelegenheit schlecht entgehen lassen. Der Beatpol war gut gefüllt, möglicherweise Sold out, und aufgrund der Außentemperaturen kochte der alte Saal schon bevor es losging. Vom deutschen Vorprogramm "King and Crown" bekamen wir nur noch den letzten Zipfel zu hören und haben sofort an "Honig" denken müssen (von dem wir auch schon längere Zeit nicht Neues gehört haben). Begleitet wird Conor Oberst wie auf Platte vom Hauptteil der Felice Brothers (minus Ian Felice, plus Taylor Hollingsworth an der E-Gitarre). Sechs Musiker auf der Bühne, fünf davon Sänger, das hätte richtig schön werden können. Leider konnte ich die Musik jedoch nur geniessen, wenn die Arrangements wie bei 2,3 Stücken sehr reduziert waren; Akustik-Gitarre + Bass + Akkordeon beispielsweise. Alle zusammen war es einfach nur "a whole bouncing mess" (Zitat Fred Cole in ähnlicher Situation). Schade, denn die Songs sind auf Platte wirklich schön anzuhören. Lag's nun an der Hitze, am Tonmeister (oder daran, was ich aus Cambridge noch im Ohr und Herzen hatte), wir empfanden es zu laut und zu undifferenziert; der Funke sprang nicht über, nicht zu uns jedenfalls. So fuhren wir etwas geknickt durch die Nacht zurück nach Hause. Der volle Mond leuchtete uns heim und eine Sternschnuppe fiel herunter. Immerhin...




Donnerstag, 9. Februar 2017

Aus dem Alten Testament - Fred & Toody @ Backstage München 07.02.2017

 
"Wenn wir uns das nächste Mal sehen, können wir unsere Kriegswunden vergleichen wie ein paar alte Soldaten"
schrieb Fred im Oktober 2013, nachdem wir unsere Erfahrungen mit diversen Altmännerkrankheiten ausgetauscht hatten. Besser wurde es in den folgenden Jahren nicht. Konzerte und Tourneen mussten ausfallen, Fred hat ernsthafte Herzprobleme, der Tod von Andrew - insgesamt also wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen. Und nun doch noch eine Fred+Toody Euro-Tour. Ein letztes Mal um die ganze Welt? Ich weiß es nicht, aber für mich sieht es beinahe so aus...

Aus verschiedenen Gründen hatte ich mir das Münchner Konzert ausgesucht. Es sollte sich als gute Wahl erweisen. Der Club im Backstage ist mit seiner intimen Atmosphäre wie geschaffen für das Konzert, das wir erwarteten. Eine kleine Bühne in der Ecke, Treppchen zum Sitzen, ein paar versteckte Plätze auf der Empore und Platz für etwa 100 Leute. Die waren noch nicht alle da, als wir etwas vor der Zeit ankamen. Wegen unserer 450 km langen Anreise waren wir zeitig genug losgefahren, um ja nichts zu verpassen. Das war gut so, denn Toody sah uns und es gab erst einmal eine lange, herzliche Umarmung. Schön, sich wiederzusehen nach all diesen Jahren! Hermann, mein Sohn, der im Alter von 13 Jahren Fred, Toody und Andrew 2001 das erste Mal backstage traf, hat inzwischen selbst einen Sohn. Als Hermann das Toody erzählt, gibt es prompt ein Sweatshirt mit DEAD MOON Logo als Geschenk für den dreijährigen Emil. Fred sei ziemlich erschöpft, sagt sie, zu viele Flüge in den letzten Wochen. Aber sonst sei alles gut. Na, Gott sei Dank...

Überrascht bin ich, als Simone, die wir von früheren Touren kennen, erzählt, dass sie bei TOP DOWN spielt. Wie das klingt, würden wir heute Abend noch hören können. Schön! Sie erzählt, dass ein DEAD MOON Buch in Vorbereitung sei, sie habe mit den Beiden Tausende Fotos gesichtet. Da sei auch das dabei gewesen, wo Hermann als Dreizehnjähriger gemeinsam mit Fred Kreuzworträtsel löst. Mit dem Buch würde es aber bestimmt noch ein Jahr brauchen. Da sind wir schon mal gespannt...

Fred treffe ich auf der Empore. Immer noch schaut er sich die Support-Acts an; aber nicht beiläufig, sondern stets mit wachem Interesse. Wie viele mag er da schon gesehen haben. Die Kriegwunden sind erstmal kein Thema, denn Stani Kirov, ein Münchner Blues Original betritt die Bühne und spielt die nächsten 40 min ein leidenschaftliches Set; Swamp-Blues auf der Akustik-Gitarre, teils mit Zerre, und dazu eine markante heisere Stimme. Das gefällt uns! In der Umbaupause Gelegenheit zum Gespräch mit Fred. Wir reden über die Tascam 38, die immer noch ihren Dienst verrichtet. Er macht noch Aufnahmen, ja, aber neue Lieder wohl nicht mehr. er möchte sich nicht wiederholen. Das finde ich sehr schade, aber ich kann ihn verstehen...

TOP DOWN machen ihre Sache äußerst gut. Zackige Beats, leicht überdrehter Gesang, sympatische Ausstrahlung des Dreiers mit Sitz in Portland. DEAD MOON Publikum ist lieb zu Vorbands, das wissen wir, doch hier gibt es den Beifall nicht aus Höflichkeit, sondern weil es wirklich gut zu hören und anzuschauen ist.

Dann ist es endlich so weit soweit: Mit der Erinnerung an die allerletzte DEAD MOON Show auf dem Dawpop 2015 im Hinterkopf war mir etwas flau im Magen, als Toody und Fred anfingen. Aber es brauchte nur eine Strophe und den ersten Refrain und mir standen die Tränen in den Augen. Da hatten sie mich im Griff und wohl die meisten im Publikum. Und ließen uns erst wieder los, als die dritte und letzte Zugabe gespielt war. Sinnlos, zu erklären, was das ablief: Nicht nur ein innerer Soundtrack, gespeist aus der seeligen Erinnerung an die vielen Konzerte, sondern da saßen sie auch selbst, eins mit ihrer Musik und wieder jung oder unsterblich. Es gab Stellen, da habe ich Andrews Kickdrum gehört oder war es doch nur Toodys Stiefel? Es war stimmig, wie es stimmiger nicht hätte sein können und Freds Tonfindungsphase auf dem Anfang von "Unknown Passage" hätte mir gefehlt, wenn sie gefehlt hätte. Wo wird sie nun hingehen die Reise und: Wann wird sie enden? Es ist besser, nicht zu viel zu wissen. Sie sind beide angemessen unterwegs jetzt und müssen niemanden mehr etwas beweisen, sie haben uns vor vielen Jahren schon alles gegeben...

Einen sehr treffenden Bericht von diesem Abend kann man hier nachlesen, wo es auch tolle Bühnenfotos zu sehen gibt. Meine eigene Knipse hat nur ein verwertbares Bild hergegeben und das begleitet mich ab jetzt überall hin...


Sonntag, 11. Dezember 2016

Give a glimpse ...

 
Mein Konzertjahr ist schon zu Ende und das sind meine Top Ten aus den letzten 12 Monaten:

10. CONNY OCHS @ UT Connewitz, Leipzig, 18.02.2016

9. SOFIA TALVIK @ Kurhaus, Bad Elster, 21.06.2016

8. MERET BECKER & BAND @ Kurtheater, Bad Elster, 29.05.2016

7. LOVE A @ OBS 20, Beverungen, 15.05.2016

6. DIE HÖCHSTE EISENBAHN @ Täubchental, Leipzig, 06.11.2016

5. LEE RANALDO & EL RAYO @ UT Connewitz, Leipzig, 23.11.2016

4. THE JAYHAWKS @ Passionskirche, Berlin, 17.11.2016

3. FRIEDEMANN (Rügen) @ UT Connewitz, Leipzig, 18.02.2016

2. DINOSAUR JR. @ Täubchental, Leipzig, 07.06.2016

1. DINOSAUR JR. @ Astra Kulturhaus, Berlin, 11.11.2016

Und da sind WOVENHAND, BRANT BJORK und noch einige andere, die wir sahen, noch gar nicht dabei, Kein schlechtes Jahr möchte ich meinen! Und wenn Fred & Toody im kommenden Februar voraussichtlich ein letztes Mal über den Atlantik kommen, dann wird auch das kommende ein gutes...


Montag, 22. Februar 2016

Mitten im Winter


Beim Konzert von Friedemann letzte Woche im UT Connewitz gab es für mich einige Momente, die mich berührt haben. Einer hieß "Lied aus Stille" - ein von Friedemann vertontes Gedicht von Eva Strittmatter. Als ich die Ankündigung des Liedes hörte, kam mir jener Abend im Herbst 1987 wieder in den Sinn, als mir meine Liebe diesen Text ebenfalls selbst vertont zum ersten Mal auf der Gitarre vorspielte und sang. Auf dem durchgesessenen alten Sofa, im engen Zimmer unterm Dach. Die Liedermappe von damals gibt es nicht mehr, aber gestern haben wir in unserem Bücherregal das Gedichtbändchen von 1987 gefunden und über den Textzeilen standen handgeschrieben die Gitarrengriffe. Und so langsam kommt die Melodie zurück in unsere Köpfe und das Lied in unser Herz. Wir freuen uns darüber.

Freitag, 20. November 2015

Dienstag, 10. November 2015

Puh! Geschafft!



Ausgerechnet am Tag des Kartevorverkaufs eine Dienstreise zur Schwesterfirma nach N. und dort ein ganztägiges Audit! Mist! 12.00 Uhr: der Vorverkauf beginnt. Sitzen wie Kohlen... 12.30 Uhr: "Liebe Kollegen, ich brauche dringend mal eine halbe Stunde Pause..."Auf glitterhouse.com komme ich erst nach mehrmaligem Anlauf. 

Etwas später macht es Pling! und ich habe eine Bestätigungsmail aus Beverungen, dass meine Bestellung eingegangen ist. Geil! So richtig entspannt werde ich zwar erst sein, wenn die Karten hier eingetrudelt sind. Aber freuen tue ich mich schon jetzt auf Pfingsten 2016! Wenn es dann heißt:

Welt AUS - OBS AN!

Nach 2:10 Stunden schon hieß es übrigens: SOLD OUT!

Dienstag, 19. Mai 2015

Walking On Their Graves - DEAD MOON Revisited


Auf der Suche nach einem Einstieg für diesen Post habe ich mal zurückgeblättert, wann ich DEAD MOON das letzte Mal sah. Und stellte dabei fest, dass das am 19. November 2006 war und ich diesen denkwürdigen Abend damals zum Anlass nahm, einen Blog zu starten. Hatte ich fast schon vergessen...

Seitdem hat sich einiges geändert, anderes nicht. Meine Liebe zu dieser Band ist noch dieselbe möchte ich meinen, auch wenn zwischendurch andere Themen und Trends interessant sind; es bedarf nur eines kleinen Auslösers und die Leidenschaft lodert wieder auf. Seit 2013 gibt es wieder einzelne gemeinsame Auftritte von Toody, Fred und Andrew, doch dass ich noch einmal Gelegenheit haben würde, sie zu live sehen, daran habe ich nicht mehr geglaubt. Aber manchmal geschehen Wunder und wenn ein Datum passend für so ein Ereignis ist, dann zu Himmelfahrt - oder?

Das Ticket war schnell besorgt und außer der Sorge, jemand würde noch kurzfristig erkranken, waren die letzten Wochen von purer Vorfreude geprägt. Eine kurze E-Mail-Anfrage bei Fred, ob etwa noch Secret-Gigs im Umfeld des Auftritts zum Dauwpop-Festival geplant seien, wurde negativ beschieden, doch anderes hatte ich auch nicht wirklich erwartet. Also am Mittwochabend Schlafsack und Zahnbürste in den Bus gepackt und erwartungsvoll die 650 km nach Westen durch die Nacht gedüst...

Das Festivalgelände ist ein sehr idyllisches. Eine Art großer Familien-Abenteuer-Spielplatz und zur Mittagszeit war auch noch alles schön übersichtlich. Das sollte sich später ändern....


Grund für meine frühe Anreise war das teilweise sehr reizvolle Rahmenprogramm für den DEAD MOON Auftritt. Es gab auf dem 10.000 Besucher fassenden Gelände drei größere Bühnen mit jeweils spezieller musikalischer Ausrichtung. Und wer wegen DEAD MOON da war, was an den T-Shirts unschwer zu erkennen war, der fand auch tagsüber in "The Barn" Musik für seinen Geschmack. Eröffnen sollte die Scheune KING KHAN & HIS SHRINES und wenn es einen perfekten Opener gibt, dann den King. Er und seine Mannen heizten ordentlich ein und wer danach keine gute Laune hatte, war selber Schuld. Sein Spruch vor dem Verlassen der Bühne lautete übrigens: "DEAD MOON is in da House!"


Aber erst einmal ging es in der Scheune kontrastreich mit einem australischem King weiter: C.W. Stoneking ist eine Art Max Rabe des Blues mit gleichem Habitus und ebenso konsequent.


Später folgte mit MASTERS OF REALITY eine Band, die ich bisher verpasst habe, was ich aber dann nach der Show nicht ganz so sehr bereut habe. Lauter? Kein Problem! - ist ja nun nicht unbedingt ein Ausdruck von Innovation. Vor allem in einer Zeit, da 90% der Leute vor der Bühne Gehörschutz tragen, eine etwas ältliche Bemerkung. Nun ich will Chris Goss nicht madig machen. Die Einstellung auf seinem Pedalboard habe ich mir jedenfalls gemerkt...


Nach einigen Jupiler Bieren und Tacos war es dann endlich soweit. Die Verstärker wurden enger zusammengerückt und das Drumkit vom Podium herunter geholt und an den vorderen Bühnenrand gestellt. Ich hatte gehofft, Andrew alte Kickdrum vom LIVEEVIL-Album würde reaktiviert werden, doch wahrscheinlich ist die schon lange überm Jordan. So musste für die Kerze improvisiert werden. Jozzy von den BIPS ging Andrew dabei zur Hand:


Dass es keine Routine mehr gibt, das war offensichtlich und dass die Jahre an uns allen nicht spurlos vorübergegangen sind, auch. Aber es war ein Wiedersehen mit Freunden und sie waren vielleicht auch gekommen um sich noch einmal richtig zu verabschieden. Als Band von treuen Fans und auch für immer. Das alles ging mir so durch Kopf als ich beim Aufbauen zuschaute. Ein paar aufmunternde Worte (oder Anweisungen - who knows) von Toody und dann ging es los.


JA, es holperte und es hakte und JA, sie waren oft zu langsam und JA, Fred hat sich oft verspielt. Und trotzdem habe ich jede Minute ihres Konzerts aufgesogen, weil ich diese Musik in dieser Form wahrscheinlich nie wieder werde hören können. Das ist traurig und tröstlich zugleich. Weil das war kein Theater, das war das Leben. Wie es ist.





Ein paar Videos sind hier zu finden: muldensounds youtube channel

Dienstag, 12. Mai 2015

Uitverkocht!


Das DAUWPOP Festival in Hellendoorn (NL) ist ausverkauft! Das erhöht doch die Vorfreude noch einmal beträchtlich. Ich bin noch nie soweit gefahren, um nur eine Band zu sehen: DEAD MOON! Ich freue mich riesig auf das Wiedersehen! Mehr demnächst an dieser Stelle...

Mittwoch, 25. Februar 2015

Lesen! Catfish

   


Während mein Interesse an Musik sich zwar hinsichtlich Intensität und Ausrichtung ändert, aber doch in jeder Lebenslage vorhanden ist, so kann ich mit Literatur komischerweise immer weniger anfangen. An den letzten neuen Roman, den ich gelesen habe, kann ich mich gar nicht mehr erinnern, Dieser Weg, um Antworten auf Fragen zu finden, die mich beschäftigen, ist mir womöglich mit abnehmender Lebenszeit zu anstrengend, zu umständlich geworden. Die beiden Bücher, die ich im letzten Jahr mit großem Gewinn las, waren dementsprechend auch Leander Hausmanns "BUH" und Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur"; Lebenshilfen zum Umgang mit den Themen Scheitern und Tod...

Ein Radio-Interview mit Maik Brüggemeyer zu seinem kürzlich erschienenem Bob-Dylan-Roman, so der Untertitel, machte mich aber doch neugierig. "Was können wir von Bob Dylan über das Leben lernen?" Diese Überschrift alleine war es nicht, sondern die Art, wie der Autor sich dieses Themas angenommen hat. Der rote Faden sind fiktive Begegnungen mit dem Idol, welches sich aber der Vereinnahmung immer wieder entzieht und im Gespräch oft (oder ausschließlich?) in Versatzstücken aus seinen Songtexten antwortet. Dazwischen gestreut gibt es viel eigens Erlebtes aus der Welt des Musikjournalisten sowie kleine Anekdoten aus dem Leben des Künstlers, die ganze Geschichte  wirkt dadurch sehr stimmig und wahrhaftig. Vor allem aber wenn das Gespräch mit dem fiktiven Dylan in einer Selbstreflexion des Autors mündet, dann kommt er dem Thema ganz nahe. Ich jedenfalls habe die Sichtweise von M.B. sehr gut nachempfinden können, mich in manchem selbst erkannt und im Übrigen viel Vergnügen in diesem Panoptikum gehabt. 

Sehr empfehlenswert!
 

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Weihnachtsessen

 
Was an Weihnachten auf den Tisch kommt, darüber habe ich mir die letzten 50 Jahre nicht wirklich Gedanken gemacht; das waren Rituale, die weit über das selbst Erlebte hinausreichen. Doch da uns die Tochter dieses Jahr mit ihrer Anwesenheit erfreut, mussten vegetarische Alternativen her. Der Kompromiss war am Ende gar keiner, denn die gemeinsame Vorbereitung hat uns Dreien viel Freude gemacht. Am Heiligabend gab's statt Bratwurst Linsen mit schwäbischem Kartoffelsalat und heute zum ersten Feiertag dann Ravioli mit einer Rote Beete-/Ricottafüllung, geschwenkt in Walnuss-/Thymian-Butter. Da könnte man(n) sich dran gewöhnen...

   

Samstag, 29. November 2014

Waking up the manneln ...

 


...same procedure as every year, in der Woche vor dem ersten Advent: auspacken, putzen, abgeleimte Arme und Nasen reparieren, aufstellen und dran freuen...

Montag, 8. September 2014

Everybody's home, now - The Sound of Bronkow Music Festival 2014

 

Bereits zum fünften Mal veranstaltete das Label K&F Records in Dresden zum Sommerausklang ein Festival mit den Schwerpunkten Indiepop und Liedermacher; besser sollte man sagen, mit handverlesener feiner Musik verschiedener Genres. Die dreitägige Veranstaltung ist wohl immer noch ein Geheimtipp, denn es gab Anfang August noch Restkarten zu kaufen. Glück für mich, denn über die Urlaubszeit war mir die Sache etwas aus dem Blickfeld geraten. Vergleicht man nämlich mal Künsteraufgebot, Veranstaltungsort und das ganze Drumherum mit dem anderer Festivals derselben Kategorie, so müsste das SOB eigentlich binnen 2 Stunden ausverkauft sein. Vor allem bei diesen Ticketpreisen..

Am Freitag standen "Talking To Turtles", "The Marble Man" und "Die Höchste Eisenbahn" auf meiner Liste. Erste waren dann für mich schon die vorweggenommene Krönung des Abends. Das sympatische Duo aus Leipzig bezauberte mit wunderschönen Melodien, klarem zweistimmigem Gesang in harmonischen Arrangements. Das höre ich mir gerne noch ein zweites Mal an. "The Marble Man" aus München spielten als nächste Band im Foyer und dort war der Sound raumbedingt etwas diffuser als oben im Saal. Aber die gute Musik setzte sich durch, wenngleich nicht so ganz auf meiner Wellenlänge. Ich bin schließlich aber nicht die Zielgruppe. "Die Höchste Eisenbahn" sah ich zum zweiten Mal in diesem Jahr. Dieselben Songs, klar, aber ich entdecke in den Texten immer noch wieder Neues, Hintersinniges oder freue mich immer noch über die perfekten Popsongs. Kein Verschleiß bislang. Die Band hingegen wirkte auf mich etwas müde vom durchspielten Festivalsommer. Aber nur ein kleines bisschen. Ich bin gespannt, wie's da weitergeht... 

Beim SOB ging's am Samstag um 2 Uhr Mittags weiter. Als Dresdner geht das, ich konnte leider erst wieder 18.00 Uhr dazustoßen, als "Aloa Input" im Saal auf die Bühne gingen. Ein Trio aus München, das verschiedene Stile munter miteinander mixte. Früher hätte man vielleicht Krautrock dazu gesagt, aber das trifft es auch nicht ganz. Bei manchen (ruhigeren) Passagen kam mir "Sparklehorse" in den Sinn. Melodiös, tanzbar und abwechslungsreich - mir hat's jedenfalls gefallen...

Im Garten konnte sich hernach der Kreislauf wieder etwas erholen bei den sanft fließenden Songs von "Heated Land" mit der beruhigenden Stimme von Sänger Andreas Mayrock. Passte sehr gut zu Zeit und Ort. Entspannter war am Samstag nur noch die Stimme des Sängers von "The Slow Show" aus Manchester. Da werden als Vergleich sicher oft "The National" herangezogen, stimmt ja auch irgendwie. Ist mir aber egal. Echt isses, wenn's von Herzen kommt und das kann man hören. Für mich war die Darbietung des letzten Songs "Everybody's home, now" ein sehr rührender Schlusspunkt. Deswegen habe ich mich anschließend schon auf den Heimweg gemacht...

Am Sonntagnachmittag habe ich mir dann zur Abwechslung die Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesehen. Auch das war mit dem Festivalticket kostenlos möglich - Wahnsinn, oder? Beim Betrachten der knallbunten Acrylbilder von Gerhard Richter wusste ich noch nicht, dass mich anschließend musikalisch Ähnliches erwarten würde. Ein gut gelaunter Tausendsassa sprang auf der Bühne hin und her, bediente unablässig drei Dutzend Bodenpedale und schüttelte nebenher noch einen Stauß beatlesker Melodien aus dem Ärmel, war aber gleichzeitig bemüht, nicht allzu viel Harmonie zuzulassen. Also schnell den nächsten Noise-Button gedrückt! So oder so ähnlich. Von hohem Showwert auf jeden Fall, aber kein reiner Klamauk. "Vin blanc / White wine" - ein Konzertbesuch lohnt sich! Im Garten wurde dass Publikum anschließend noch vom "Dresdner Gnadenchor" geläutert und konnte sich so schon mal auf das Hochamt in der Schlosskapelle vorbereiten...

Als die SOB-Macher vor Monaten im Internet verkündeten, dass "The Felice Brothers" headlinen würden, da hatte ich so meine Zweifel, ob's denn am Ende wirklich dazu kommt. Wie gesagt, bei diesem Ticketpreis, den bereits genannten Bands und der anderen, genauso guten Hälfte, die ich verpasst habe. Aber nach einem stimmigen Vorprogramm von Thos Henley gingen sie dann doch tatsächlich auf die Bühne, zwei der Brüder und drei Freunde dazu. Ich hatte mich sehr auf diesen Abend gefreut, wahrscheinlich zu sehr. Dann müssen Erwartungen enttäuscht werden. Mir war es deutlich zu laut für diese Art Musik und ich hatte meine Probleme mit der Hälfte des Repertoires. Immer genau dann, wenn gleichzeitig gefiedelt und gequetscht wurde. Wobei ich beides für sich sehr mag. Aber eben nicht so sehr die Marke Kasatschok. Doch wenn Ian und James zu reduzierter Instrumentierung ihre Balladen vortrugen, ging mir das Herz auf. Das war's allemal wert. Wie eigentlich alles an diesem Wochenende, ohne Ausnahme. Danke!

Aloa Input
Vin Blanc / White Wine
Dresdner Gnadenchor
James and Ian Felice
Everybody's home, now ...









Sonntag, 16. Februar 2014

Out Of Time

  
Als wir den gestrigen Auftrittsort von "Wind Sand und Sterne" - ein Gartenspartenvereinslokal - betraten, fühlte ich mich kurzzeitig in die frühen achtziger Jahre zurückversetzt. Nur dass die Leute an den Tischen dreißig Jahre älter waren. Doch das sind wir ja inzwischen auch. Aber wir freuten uns, die Band quasi mal um die Ecke sehen zu können und sind dankbar für jeden Veranstalter, der das Risiko, Livemusik zu machen, auf sich nimmt.  Auch wenn die Szenerie hier in der ersten Runde noch etwas bieder wirkte - zu vorgerückter Stunde tobte die Hütte. Spätestens als der Stef seinen Hochsitz verließ und eine inkommensurable Version von "Paint it black" hinlegte. Ganz großes Kino!


"Baby, baby, baby - you're out of time" - Ja, ich weiß, na und?
  

Sonntag, 29. Dezember 2013

Alle Jahre wieder ...


... "Wind Sand & Sterne" kurz nach Weihnachten in der Marienberger Baldauf-Villa.


Dienstag, 5. November 2013

Lisa Germano - 04.11.2013 (Dresden/Beatpol)

  
Vor einem halben Jahr hatte ich mir eine Karte für das Konzert von The National in Berlin gekauft, in der Annahme, ich habe dieses Jahr bereits genügend Querschläger erlebt und es werde schon klappen. Aber dann kam mir kurz vor Ultimo doch noch ein Gipsarm dazwischen. Es hat halt nicht sollen sein. Der Sohn hat sich gerne erbarmt und ist an meiner Statt gestern nach Berlin gereist. Aber wenn eine Türe zuschlägt, geht oft eine andere auf. Meine Alternative kam in Form einer Einladung zum Konzert von LISA GERMANO im Dresdner Beatpol incl. Transfer ab/an Haustür. Das habe ich zu gerne angenommen und es war auch alles andere als ein Notnagel...

Die Tanzfläche im Beatpol war diesmal locker mit Tischchen und Stühlen bestückt, was sich auch in Anbetracht der nicht ganz so zahlreich erschienenen Gäste (Montagabend) als sehr gute Entscheidung erwies. An die fünfzig Leute mögen es vielleicht gewesen sein, aber die waren dadurch gut verteilt und niemand kam sich verlassen vor. Auf der Bühne ein E-Piano und ein Stuhl. Weniger ist mehr, ja, aber ob man damit einen ganzen Abend bestreiten kann? Lisa Germano konnte, und wie! Sie atmete ihre Songs regelrecht ein und aus und wob dabei die Melodien auf dem Piano so kunstvoll ineinander, dass sich das Publikum den ersten Beifall traute, als Frau Germano nach einer Viertelstunde das erste Mal zur Wasserflasche griff. Oh ja, sie liebe das Touren in Europa, das Publikum sei so aufmerksam, höre immer zu, besonders hier im Beatpol, sie wisse das auch von ihren Kollegen Giant Sand und Calexico, die ja schon hier gespielt hätten. Das war sicher nicht als Anbiedern beim Publikum zu verstehen, denn während ihrer Performance war sie ganz bei sich. Die Zeit verging so wie im Flug und bei der letzten Zugabe bedankte sie sich dafür, dass sie doch bei dieser Gelegenheit gerade ein verlorenes Lied wiedergefunden habe. Wir glaubten ihr das gerne und fuhren neu beseelt nach Hause...

Das Licht im Beatpol war dem Vortrag Lisa Germanos durchaus angemessen, für meine Kamera reichte es leider nicht aus, weswegen ich mich hier mal fremdbedienen musste...


 

Montag, 4. November 2013

Treffer / Incomplete Sons - 02.11.2013

  
Zu wechselnden Terminen doch mit bemerkenswerter Kontinuität veranstaltet der Breiti nun schon seit eigen Jahren seine Hoffeten. Gute Musik läuft ja rund um die Uhr in der Helbigsdorfer Autoscheune, aber einmal im Jahr werden dort, wo sonst Räder ausgewuchtet werden, Lautsprecherboxen hochgewuchtet und es wird live aufgespielt. Die MINERS waren in all den Jahren immer dabei gewesen, diesmal nun halt nicht. 

Auf dem Weg zum Ort des Geschehens hörten wir schon von weitem etwas, was sich verdächtig nach "Black September" anhörte, gefolgt von "Gimme Shelter". Ich dachte schon, der Breiti habe zum Aufwärmen eine alte MINERS-Konserve aufgemacht, aber nein, es war die erste Band des Abends, die sich diese beiden Preziosen zu eigen gemacht hatte. THE INCOMPLETE SONS, die Band, in der zwei Söhne der MINERS gemeinsam mit einer blutjungen Schlagzeugerin musizieren, hatten vor einem Jahr zum Zehnjährigen der MINERS schon mit uns auf der Bühne gestanden. Und was sich da in den letzten zwölf Monaten getan hatte, hörte sich gut an. Eine gesunde Mischung aus eigenen Nummern und ausgewählten Covers wie den eingangs erwähnten Stücken und "Hey Joe". Chapeau! Danach wird man lange suchen können in der U20-Liga. Eröffnet hatten die SONS übrigens mit dem "From Down Below", der ersten MINERS-Single. Das hätte ich gerne mal gehört. Vielleicht beim nächsten Mal...


Danach schickten sich TREFFER aus Leipzig an, dem Helbigsdorfer Publikum den Arsch zu versohlen. Musikalisch gesehen. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, denn ich mag diese Mischung aus geradem, schnellem Rock'n'Roll und kernigen Texten. Hoffi schreibt kleine -zutreffende- Alltagsgeschichten; sein Vortrag und die Kommunikation mit dem Publikum sind so authentisch, dass man ihm aufs Wort glaubt. "Tiefster Punkt", "Brandung", das sind doch schon Liedtitel, auf die man neidisch werden könnte...


Die Jungs waren ja anfänglich etwas skeptisch ob des Publikumsanteils jenseits der Fünfzig, doch das war kein Thema. Auch die älteren Semester ließen sich von der Spielfreude des Dreiers mitreißen. Nur so schnell tanzen, nein, das ging dann doch nicht. Aber das tat der Show keinen Abbruch, mitsingen war genau so schön...


Der guten Stunde mit eigenen Songs folgten noch einige passende Coverversionen, unter anderem von der ehemals schnellsten (oder lautesten?) Hardrockband der Welt. Und wenn wir die Augen zusammenkniffen (oder die entsprechende Landung schon weghatten), da konnten wir fast den Lemmy auf der Bühne sehen... ;-)


Insgesamt ein runder Abend. Ich denke mal, das geht beim Breiti im nächsten Jahr so weiter...

Freitag, 20. September 2013

Sell-Out

  
Der Mailorder bei dem ich gelegentlich bestelle, wies gerade in seinem Newsletter auf ein Schnäppchen hin: die zwanzig besten Platten von Johnny Cash als CD's in Papphüllen, die den LP-Cover nachgebildet wurden, zusammen im Schuber für nicht mal 40 EUR. Und im November bringt Sony/Columbia ALLE(!) Dylan-Veröffentlichungen in ähnlicher Form heraus... wie pervers ist das denn?!

Ich sehne mich wahrlich nicht zurück in die Zeit, da ich 120 Mark für eine Westpressung gezahlt habe. Aber das Gefühl, das mich überwältigte, als ich im Sommer 1985 in einem Budapester Hinterhofzimmer endlich Bob Dylans LP "Street Legal" in den Händen hielt, kann ich heute noch abrufen, wenn ich "Changing Of The Guards" höre. Und ich weiß noch genau, wie lange ich in den Plattenläden auf der anderen Seite des Erzgebirges gesucht habe, bis ich endlich "Johnny Cash - Konzert V Praze" fand. Es gibt noch einige Vinyle im Schrank, zu denen mir ähnliche Geschichten einfallen. Zeiten ändern sich...
  

Mittwoch, 18. September 2013

De Krippelkiefern @ Tietz Chemnitz

   
Als die Miners vor ein paar Jahren in der Moritzbastei Leipzig eines der letzten DEAD MOON Konzerte supporten durften, spielten wir zum Soundcheck "Gib' mir Deckung" kurz an; eine knackige Version von "Gimme Shelter". Andrew, der DEAD MOON Schlagzeuger lugte um die Ecke und fragte, ob das eben Gespielte ein Kiss-Song gewesen sei. 'Nein, das war von Freygang, aber die haben's von den Stones geklaut, die haben's wiederum bei Chuck Berry abgeschaut und der hat's im Blut seiner Vorfahren aus Afrika mitgebracht.' Weltmusik gewissermaßen ...

Daran musste ich denken beim gestrigen Podiumsgespräch im Chemnitzer Kulturzentrum Das Tietz: "Regional - global vertont? Musikalische Impulse aus dem Osten Deutschlands". Der MDR hatte mit Ulrich Doberenz und Manfred Wagenbreth zwei echte Experten in Sachen Weltmusik eingeladen. Den Namen Wagenbreth kennt man im Osten seit vielen Jahren, wenn man Plattenhüllentexte auf Amiga-Lizenz-LPs gelesen hat und Ulrich Doberenz ist Direktor des Tanz- und Folkfestes Rudolstadt. Dazu Musikkritiker der "Freien Presse" Tim Hofmann und die Musiker Tobias Horn (Krippelkiefern) sowie Reinhardt Repke und Dirk Darmstaedter (Club der toten Dichter). Durch die Veranstaltung führte MDR-Moderator Thomas Bille. 

Eigentlich hätte man zu dieser Thematik und in dieser Stadt ja eine weitere Band mit K erwartet, doch die waren mit einer anderen Produktion beschäftigt "sonst wären sie heute abend hier" wie Thomas Bille verlauten ließ. Rein musikalisch gesehen, da wurden sich die Gesprächspartner ziemlich schnell einig, lässt sich alles auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Doch das greift mir zu kurz. Unterschiede lassen sich dann feststellen, wenn Künstler in ihren Texten ihr Lebensgefühl ausdrücken. Und das wird ein anderes sein, wenn man einen Teil seines Lebens in der DDR verbracht hat. Das ist prägend, ob man das mag oder nicht. Neu ist vielleicht, dass es in den letzten zwei, drei Jahren zunehmend Künstler gibt, denen das nicht peinlich ist, sondern die darauf stolz sind, aus der ostdeutschen Provinz zu kommen; aus Bautzen, Jena, Chemnitz oder eben dem Erzgebirge. Und die auf diese Art ihrem Publikum ebenfalls zu einer Verbundenheit mit ihrer Herkunft, zu einem neuen Selbstverständnis verhelfen. Tobias Horn hat das schön bebildert: "Wo der bayerische Gerüstbauer auf Montage am Abend in der Kneipe seine Söllner-CD rausholt, kann der Kollege aus dem Erzgebirge nun seine Krippelkiefern daneben legen..."

Wegen der Krippelkiefern war auch ich nach Chemnitz gekommen. In Viererbesetzung gab es drei Songs: "E paar fromme Winsch", "Köhlerlied", "Regenlied". Vielleicht mit etwas mehr Lampenfieber vorgetragen als noch vor vier Tagen in Thalheim, denn schließlich wurde die Veranstaltung vom MDR aufgezeichnet. Sendetermin ist Freitag, der 20.09.2013 18.05 Uhr auf MDR Figaro. Es bleibt abzuwarten, wieviel von Sternis Ansagen dann in der Sendung zu hören sein wird...

großes Medieninteresse an den Krippelkiefern
De Krippelkiefern im Foyer des Tietz, Chemnitz

Bewegte Bilder gibt es hier und dort ...
  

Sonntag, 15. September 2013

De Krippelkiefern @ Waldcamping Thalheim

  
Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr wundere; dass die aktuelle Veröffentlichung dieser Band gerade "CD der Woche" auf dem Kultursender des Mitteldeutschen Rundfunks ist oder dass eine Band diesen Kalibers noch Lagerfeuermusik auf Zeltplätzen macht. Beides ist nicht abwertend gemeint, aber es passt irgendwie so gar nicht zusammen. Möglicherweise sind es gerade diese Widersprüche, die einen großen Teil der Faszination ausmachen. Kernige Inhalte in der Sprache des Mannes auf der Straße - im doppelten Sinne - gepaart mit hoher Virtuosität an den Instrumenten.  Jedenfalls war ich von dem Auftritt der Krippelkiefern zum "Tag der Sachsen" in Schwarzenberg ziemlich begeistert, so dass ich dieses Wochenende unbedingt noch einmal hin musste. In etwas  reduzierter Besetzung gab es einen akustischen Auftritt am Lagerfeuer. Das Ambiente passte perfekt und auch das Wetter hielt aus. Für dreieinhalb Stunden feine Musik fahre ich gerne mal wieder quer durch sieben Erzgebirgstäler... 

Dreiviertel Krippelkiefern in Thalheim: Karli, Sterni, Tobias